Aggressive Hunde – Machst Du ja nicht!

09. Februar 2023 | Hundeverhalten, Alltag und Training mit Hund

„Ja, aber der TV-Trainer XY arbeitet ja auch mit richtigen Hunden!
Aggressive Hunde!
Der wurde auch schon häufiger mal gebissen!

Nicht so wie Du!
Bisschen Welpen kuscheln, Jung- und Familienhunde!“

 

Wie oft ich (und sicher viele meiner freundlich arbeitenden Trainer-Kolleg*innen ebenfalls) mir diesen Spruch schon anhören musste.

Ganz lange konnte ich das weglächeln und gut ignorieren. Allerdings empfinde ich gerade einen solchen (unverständlichen) Hype um aversives Training, TV-Trainer*innen…überall scheinen gerade aversive Trainer*innen aus dem Boden zu sprießen.

Das ist für mich so unverständlich und manchmal frustrierend. Weshalb holt man sich „den besten Freund des Menschen“ ins Haus und findet es vollkommen ok, an Problemen mit Provokation, Druck und Härte zu arbeiten, anstatt mit Köpfchen, Geduld und Liebe?

True story:

Auch wir Trainer*innen, die auf Basis positiver Verstärkung und aktuellster wissenschaftlicher Erkenntnisse arbeiten, trainieren mit aggressiven Hunden ???

 

JA! ECHT JETZT! WIRKLICH OHNE SCHEISS!

 

Wir tätscheln nicht nur Welpenköpfe und lehren Sitz, Platz, Bleib.
Auch – aber halt nicht nur.

Ich habe eine Ausbildung zur Tierpsychologin gemacht. Inklusive erfolgreicher Abschlussprüfung – sogar mit Schwerpunkt Hund, Katze UND Pferd ?
Ganz genau genommen bin ich nämlich Tierverhaltensberaterin.

 

Der Unterschied von uns „Positivlern“ zu diversen bekannten TV- und alltäglichen aversiven Trainer*innen? 

 

Wir bauen das Training bestenfalls so auf, dass der Hund gar nicht erst die Notwendigkeit sieht bzw. das Gefühl bekommt, sich durch einen Biss verteidigen zu müssen. Wir setzen an den Ursachen des Problems an und wollen nicht nur Symptome deckeln. Ein Biss ist immer nur ein Symptom eines viel tiefer liegenden Problems – einer Emotion…sei es Angst, Unsicherheit oder sonst was. Auch Schmerzen können eine große Rolle spielen.

 

Das gilt es herauszufinden – das große WIESO dahinter!

 

Provokation hat noch nie bei irgendwas geholfen.

 

Kannst Du Dich entspannen und hast den Kopf frei, etwas neues zu lernen, umzudenken, alte Gewohnheiten loszuwerden, wenn Du dauerhaft provoziert wirst? Das kann ich mir schwerlich vorstellen…und so geht es Deinem Hund auch ??‍♀️

 

Ich bin auch schon gebissen worden – 1x. Danach nie wieder. Man bildet sich fort, man entwickelt Erfahrung, man wird immer besser.
Ja auch ich wurde gebissen, aber ich bin da nicht stolz drauf. Für mich war das mein Fehler und kein Qualitätsmerkmal oder Heldentum.

 

Allerdings kann ich mir Fehler sehr gut eingestehen. Denn ich habe den Biss kommen sehen – während ein kleiner, sehr gehypter mexikanischer TV-Trainer immer wieder sagt „Oh, das hatte ich nicht kommen sehen“ ?

 

Für mich bestand nur noch die Frage: Schnelle Bewegung und Hand opfern oder langsam bewegen und in Gefahr laufen meinen Arm zu opfern. Ich habe mich für meine Hand entschieden und das war gut so ?

 

Ich habe den Anspruch an mich, dass Mensch und Hund sich bei mir im Training wohl und sicher fühlen. Dass wir gemeinsam fair an Problemverhalten arbeiten. Detektiv spielen, Ursachen herausfinden und sie individuell bearbeiten. Dass niemand ständig in Bedrängnis gerät und sich provoziert fühlen muss. Nur so kann unerwünschtes Verhalten (z.B. beißen) nachhaltig verschwinden und durch neues, erwünschtes ersetzt werden.

 

Ich bilde mich regelmäßig gerade zu Themen der Körpersprache von Hunden, Aggression bei Hunden usw. fort. Lernen hört nie auf.
Gerade aktuell mache ich wieder eine Onlinefortbildung zum Thema Arbeit mit aggressiven Hunden (vor allem mit Beißvorfällen) bei einem der bekanntesten US-Trainern für solche Dinge:

Michael Shikashio

Google gerne mal oder schau Dir von ihm etwas bei YouTube an. Da siehst Du professionelles, gut gemachtes, positives Training bei richtig aggressiven Fällen.

Ich wünsche mir, dass immer weniger Menschen den hiesigen TV-Trainer*innen und ihrer seltsamen Einstellung zu Hunden blind folgen und beginnen mehr zu hinterfragen.

Ich wünsche mir mehr Herz und Köpfchen im Training und weniger Dominanz und „Rudelgedönse“.

 

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    Jessica Hein

    Jessica Hein

    Ausgebildete Tierverhaltensberaterin

     

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    Ganz ohne Dominanzgedöns.

    Lass uns gemeinsam „alte Zöpfe“ abschneiden und neue Erkenntnisse zu unseren Tieren auch nutzen.

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    1 Kommentar

    1. Meine Erfahrung ist, dass es selten am Hund selbst liegt;(

      Grüße

      Maja

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